Freigabe der Fahrradspuren steht kurz bevor
Freigabe der Fahrradspuren steht kurz bevor

Offenbach – Wer nur mit zwei statt vier Rädern in Offenbach unterwegs ist, weiß: Die Infrastruktur fürs Radfahren muss an vielen Stellen noch verbessert werden, um sicherer und einfacher voranzukommen. Ähnlich wie viele andere Städte forciert auch die Stadt Offenbach die notwendige Verkehrswende. Ziel ist es die Belastungen durch Staus, Lärm, Schadstoffe und den Klimawandel zu verringern und die Lebensqualität zu steigern. Die Stadtverordneten haben im September 2022 mit dem Beschluss „Für eine fahrradfreundliche Stadt Offenbach am Main“ den Magistrat damit beauftragt, die Infrastruktur für Radfahrende zu verbessern. Als erste größere Maßnahme aus diesem Beschluss schließt die Stadt nun auf der Waldstraße eine Lücke im Radverkehrsnetz: Für vorerst ein Jahr werden dort zwei der vier bislang vorrangig dem Autoverkehr vorbehaltenen Fahrspuren in Radfahrstreifen umgewandelt. Ab voraussichtlich Mitte Juli steht jeweils für den motorisierten Verkehr und für Radfahrende eine eigene Spur in jede Fahrtrichtung zur Verfügung. Den einjährigen Probebetrieb zwischen Bleichstraße und Friedrichsring beziehungsweise Hessenring hatten die Stadtverordneten im Februar 2023 als Sofortmaßnahme beschlossen.

Schon heute nutzen viele Radfahrende die Waldstraße als wichtige Nord-Süd-Achse. Sie weichen aber oft aus Furcht vor den schnell und eng vorbeifahrenden Fahrzeugen auf den Gehweg aus. „An der Waldstraße sehen wir eine Situation, wie es sie heute noch in vielen Städten gibt: Die großen und wichtigen Verkehrsachsen werden fast ausschließlich vom motorisierten Verkehr genutzt, bilden dabei eine Barriere für Fußgängerinnen und Fußgänger und trennen so einzelne Gebiete in der Stadt voneinander. Radfahrende oder die Menschen, die zum Radfahren bereit wären, fühlen sich oft unsicher und Eltern trauen sich nicht, ihre Kinder die Wege mit dem Fahrrad zurücklegen zu lassen“, erläutert die Bürgermeisterin, die sowohl für Mobilität als auch Kinder und Jugendliche zuständig ist, warum die Stadt hier reagiert. „Mein Ziel ist es, dass sich alle sicherer durch unsere Stadt bewegen können, egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Durch den Probebetrieb auf der Waldstraße verteilen wir den Straßenraum gerechter und weisen Radfahrern und Autofahrern eindeutig unterschiedliche Bereiche zu. Das vermeidet Konflikte und erhöht die Sicherheit.“

Die Stadtverordneten haben mit ihrem Beschluss ein Beratungsgremium für die Umsetzung der einzelnen Projekte eingesetzt. Die konkrete Planung für die Waldstraße wurde in diesem Begleitgremium vorgestellt, in dem neben den städtischen Fachplanerinnen und Fachplanern und dem Radentscheid unter anderem die IHK, die Handwerkskammer, der ADAC, der ADFC und die Offenbacher Busbetriebe vertreten sind. Anschließend hat sich die Verkehrskommission mit den Planungen befasst. Die Ideen und Anregungen aus diesen Gremien wurden berücksichtigt. Dies hat etwa dazu geführt, dass die Linienbusse des ÖPNV für einen besseren Verkehrsfluss auf der Waldstraße und zügige Fahrtzeiten die Radspur mitnutzen können.

Die Umsetzung erfolgt zunächst in einem einjährigen Probebetrieb. „Die Frage, ob die fahrradfreundliche Umgestaltung der Waldstraße danach verstetigt werden soll, werden wir auf Basis von Daten, die durch den Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen der Hochschule Darmstadt unter Leitung von Professor Dr. Jürgen Follmann erhoben werden, entscheiden“, so Sabine Groß. Die Hochschule wird beobachten, ob sich Rückstaus an den Kreuzungen bilden und ob es zu Ausweichverkehr in die Nebenstraßen kommt. Mögliche Konfliktpunkte mit anderen Verkehrsteilnehmenden werden dabei identifiziert und nach Möglichkeit beseitigt. Am Ende des Probetriebs steht ein Abschlussbericht, auf dessen Grundlage über einen dauerhaften Betrieb entschieden wird.

„Wir wollen mit dem Probebetrieb auch erreichen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich mit den notwendigen Veränderungen im städtischen Verkehrsraum auseinandersetzen und nehmen Anregungen sehr gerne auf“, motiviert Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt. „Wir können nur gemeinsam die notwendigen Anstrengungen für den Klimaschutz sowie eine sichere und einladende Verkehrsinfrastruktur für alle meistern. Kompromisse sind in jedem Fall erforderlich.“

Diese und weitere Radverkehrsmaßnahmen sind wichtige Ziele der Stadt. „Von weniger Autos und Staus haben am Ende alle einen Nutzen: Anwohnerinnen und Anwohner, Pendlerinnen und Pendler, Schulkinder, Lieferanten, die Müllabfuhr sowie Pflege- und Rettungsdienste. Mit der Klima- und Energiekrise und den Problemen von Lärm und Luftverschmutzung im Nacken sehe ich die Politik in der Pflicht, allen die es wollen, den Umstieg auf das Fahrrad zu erleichtern. Fast die Hälfte der Deutschen haben in einer Befragung angegeben, dass ihnen Radfahren zu gefährlich sei. Verbesserungen in der Infrastruktur sind ein wichtiger Baustein zum Umstieg“, so Groß. „Ich habe in den vergangenen Wochen mit vielen Anrainern an der Waldstraße gesprochen und bin selbst überrascht, wie viele positive Rückmeldungen ich für den bevorstehenden Probebetrieb bekommen habe“, so Groß weiter: „Von der AOK, über die Metzgerei Nußbaumer, die Albert-Schweitzer-Schule, die El-Fath Moschee und die Mirjamgemeinde bis hin zur dortigen Kita.“


Stimmen der Anliegerinnen und Anlieger:

Gesundheitskasse AOK, Riyad Salhi, Pressestelle: „Jede sinnvolle Maßnahme, die eine Stadt in die Nahverkehrsmobilität investiert, wird sich auszahlen. Insofern begrüßen wir die Initiative der Stadt Offenbach, die ja auch zu den Zielen im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 passt.“

Sebastian Wasserka, Schulleiter der Albert-Schweitzer-Schule: „Offenbach ist eine Großstadt auf kleiner Fläche. Schulen innerhalb des Stadtgebietes, z. B. die ASS, können häufig problemlos per Fahrrad erreicht werden. Hierfür sind der Ausbau und die Instandhaltung von Fahrradwegen besonders wichtig. Im Sinne einer nachhaltigen Umgestaltung Offenbachs mit Blick auf ökologische Aspekte befürwortet die Schulgemeinde der ASS daher die Planung und den Bau eines Fahrradwegs an der Waldstraße."

Die Schülervertretung der Albert-Schweitzer-Schule: „Sichere Schulwege sind für uns Schülerinnen und Schüler essentiell. An der Albert-Schweitzer-Schule kommen Mitschülerinnen und Mitschüler mit dem Fahrrad zur Schule, damit sind sie auf sichere und gute Radwege angewiesen. Mit der Hoffnung auf weniger Lärm und Feinstaubbelastung für eine angenehme Lernumgebung und der zu gewinnenden Sicherheit für alle Schülerinnen und Schüler, blicken wir zuversichtlich in die Zukunft.“

Jürgen Nußbaumer von der Metzgerei Nußbaumer: „In der Metzgerei sind die Kundinnen und Kunden für uns das Wichtigste. Wenn durch den neuen Proberadstreifen weniger Lärm auf der Straße herrscht, freuen sich auch meine Kunden und mein Team. Einige Kunden kommen ja auch mit dem Fahrrad zu uns. Daher begrüßen wir diese Maßnahme auf der Waldstraße. Die Fahrradspur richtet sich nicht gegen die Autowelt – wir müssen uns den Platz in der Stadt teilen.“

Gemeindevorstand der El-Fath Moschee: „Wir freuen uns über eine neue Radspur auf der Waldstraße im Verkehrsversuch. Viele unserer Gemeindemitglieder wohnen in der Innenstadt oder in den Außenbezirken und kommen von dort mit dem Fahrrad zu uns in die Moschee. Die Waldstraße ist stark befahren und daher sie müssen gut aufpassen. Ein Radweg bedeutet mehr Sicherheit für uns und unsere Mitglieder auf dem Fahrrad. Auch über weniger Lärm und Abgase, wenn wir die Fenster öffnen, freuen wir uns.“

Kita Mirjamgemeinde, Tanja Kunz, Leiterin der Kita: „Als Eltern der Kinder, die die Kindertagesstätte der Evangelischen Mirjamgemeinde an der Lutherkirche besuchen und als pädagogische Fachkräfte, die in der Kindertagesstätte arbeiten, möchten wir unsere große Unterstützung für den geplanten Probebetrieb einer Fahrradspur auf der Waldstraße zum Ausdruck bringen, die direkt an unserer Einrichtung vorbeiführt. Wir sind überzeugt, dass diese Maßnahme einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für unsere Kinder und uns allen leistet. Der Einsatz einer dedizierten Fahrradspur, die speziell für den Fahrradverkehr abgesichert ist, schafft eine klare Trennung zwischen Autos und Radfahrern. Dadurch wird das Unfallrisiko reduziert und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, insbesondere unserer Kinder, erhöht. Dadurch ermutigt eine Fahrradspur auch die Familien dazu, das Fahrrad als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel zu nutzen. Das trägt nicht nur zur Entlastung des Verkehrs bei, sondern fördert auch die körperliche Gesundheit und Fitness unserer Kinder. Der geplante Probebetrieb bietet die Möglichkeit, die Auswirkungen und den Nutzen einer Fahrradspur in direkter Nähe unserer Kindertagesstätte zu testen. Wir hoffen, dass die positiven Ergebnisse dieser Testphase die Grundlage für eine dauerhafte Implementierung schaffen werden. Abschließend möchten wir uns bei allen Verantwortlichen bedanken, die sich für die Sicherheit unserer Kinder einsetzen und innovative Lösungen wie die Fahrradspur fördern. Wir unterstützen dieses Vorhaben voll und ganz und hoffen auf eine erfolgreiche Umsetzung zum Wohle unserer Kinder und der gesamten Gemeinschaft.“

Evangelische Mirjamgemeinde Offenbach, Louisa Frederking, Pfarrerin: „Wir, der Kirchenvorstand und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mirjamgemeinde begrüßen eine Einführung einer Fahrradspur auf der Waldstraße. Viele der Menschen, die in der Lutherkirche wirken und arbeiten – Gottesdienstbesucher*innen, Ehrenamtliche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mitglieder der Kantorei, Eltern, die ihre Kinder von Veranstaltungen abholen – kommen mit dem Fahrrad. Auf unserem Areal haben wir zahlreiche Fahrradständer aufgestellt, die immer sehr gut genutzt werden. Die Waldstraße ist eine Hauptverkehrsachse der Stadt Offenbach. Je mehr Menschen Fahrrad fahren, umso sicherer wird das Fahrradfahren. Straßen sollen als öffentlicher Raum wahrgenommen werden, nicht nur als Verkehrsachse für Autofahrerinnen und Autofahrer. Daher befürworten wir, die Waldstraße durch das Errichten einer Spur für Radfahrerinnen und Radfahrer zu sichern.“



x